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Dissertation, 2006;

Der Voraussagewert von neuromuskulären Tests für das Sturzrisiko und das damit assoziierte Frakturrisiko bei postmenopausalen Frauen
[Value of prediction of neuromuscular tests for risk of fall and the associated risk of fracture in postmenopausal women]

Jahr: 2006

Degner C
Medizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin

Abstract

Die Voraussagekraft eines einzelnen Risikofaktors für das Vorhandensein einer Osteoporose ist relativ gering. Die Bemühungen zur Erstellung eines Risikoscores, der eine bestimmte Konstellation von Risikofaktoren wieder spiegelt, waren bislang wenig erfolgreich. Mit der Knochendichtemessung kann der Knochenverlust erfasst und die Diagnose einer Osteoporose gestellt werden. Diese Untersuchung ist nicht überall verfügbar und wird nur im Falle einer bereits erfolgten Fraktur als kassenärztliche Leistung angesehen. Bisher unberücksichtigt blieb die Rolle von neuromuskulären Funktionstests. Knochen und Muskeln stehen in einem festen Wechselspiel. Deshalb ist zur Risikobeurteilung für eine Osteoporose nicht allein die Fokussierung auf den Knochen von Bedeutung, sondern ebenso die Erfassung des individuellen neuromuskulären Leistungsvermögens. Grundlage für die Evaluierung eines Hoch-Risiko-Scores war die von uns durchgeführte Querschnittsstudie an 1197 gesunden, postmenopausalen Frauen im Alter von 60 Jahren und älter. Mit unseren neuromuskulären Tests wählten wir eine lokomotorische und posturale Funktionsdiagnostik, um Geh- und Balancestörungen umfangreich erfassen zu können. Alle Untersuchungen sind in den klinischen Alltag gut integrierbar, erfordern einen geringen Zeitaufwand und sind ohne aufwendiges Equipment durchführbar. Für die statistische Auswertung ermittelten wir Häufigkeiten, erstellten Kontingenztabellen, errechneten das relative Risiko und kalkulierten hierfür das 95% Konfidenzintervall. Der ?Up and Go? Test in der Standardversion ergab ein signifikant erhöhtes Sturzrisiko dann, wenn der Test mit einem hohen Zeitaufwand absolviert wurde (CI=1,16-1,52). Das Sturzrisiko war im Vergleich zur schnellen Zeitgruppe um ein Drittel erhöht. Der Semitandem- und Tandemstand zeigten eine signifikante Korrelation hinsichtlich eines nicht erfolgreich bestandenen Tests und einem erhöhten Risiko zu stürzen (CI=1,06-1,34 und 1,03-1,26). Für den Chair rising - und Rombergtest waren keine klinische Signifikanz nachzuweisen. Eine Fraktur nach Sturz erlitten 55,5% der Teilnehmerinnen. Das Risiko einer Fraktur nach Sturz ist im Vergleich zu denjenigen, die nicht stürzten, nahezu verdoppelt. Der Anteil der Frakturen erhöhte sich bei zusätzlichem Nachweis einer Osteoporose auf 65%. Postmenopausale Frakturen manifestieren sich durch einen Sturz viermal häufiger als Frakturen vor der Menopause und sind bei Frauen mit einer darüber hinaus nachgewiesenen Osteoporose auf das über Fünffache angestiegen. Durch spezifische neuromuskuläre Tests ist eine Identifizierung von sturzgefährdeten Frauen möglich. Bestimmte Tests haben noch keine ausreichende Aussagekraft zur individuellen Vorhersage des Sturzrisikos, jedoch weisen Tendenzen auf ein gewisses Risiko hin.

GID: 1981; Letzte Änderung: 08.10.2009
Weitere Informationen: Original Article