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Dissertation, 2006;

Einfluss mechanischer oszillierender Stimuli im Rahmen der frühfunktionellen Aktivierung des propiozeptiven Systems auf die Oberschenkelmuskulatur nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes des Kniegelenkes

Jahr: 2006

Kombrink M
Klinik für Orthopädie der Medizinischen Fakultät der Charité, Universitätsmedizin Berlin

Abstract

Im Rahmen dieser Studie wurde ergänzend zu den „allgemeinen“ rehabilitativen Maßnahmen der Einfluß mechanischer Stimuli mittels oszillierender Interventionen vom Galileo 2000 auf die berschenkelmuskulatur nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes des Kniegelenkes untersucht.
Hierzu wurde eine Galileogruppe mit oszillierender Stimulation einer Kontrollgruppe ohne zusätzlich Stimulation zum ambulanten Rehabilitationsprogramm gegenübergestellt. Alle Patienten hatten eine arthroskopisch durchgeführte vordere Kreuzbandplastik mit Semitentinosus-Transplant erhalten, welche durch zwei Operateure durchgeführt wurde, die sich gegenseitig bei den einzelnen Operationen assistierten und dieselbe Technik verwendet haben. Die untersuchte Gruppe umfaßte insgesamt 51 Patienten, von denen sich 36 der Nachuntersuchung stellten.
Das Galileo 2000 Gerät arbeitet als Wippe mit einer Amplitude von 0-5 mm ( medial nach distal) bei veränderbarer Frequenz. Zur Steigerung der Muskelleistung hat sich eine Frequenz von 25-27 Hertz bewährt, welches einer durchschnittlichen Zyklusdauer von ca. 38,5 Millisekunden entspricht. Dies ist die Zeit, die benötigt wird, um bei Auf- und Abbewegungen jeweils einen natürlichen Dehnungsreflex der Agonisten und Antagonisten in einer geschlossenen Kette zu erzeugen. Es wurden sowohl praeoperativ als auch 12 Wochen postoperativ sonographische und isokinetische Messungen vorgenommen. Ergänzend wurde ein prae und postoperativer Scorevergleich mittels Tenger und Lysholmscore vorgenommen. Bei der Cybexmessung zeigten sich bei den Mittelwerten der Drehmomentmaxima der Winkelgeschwindigkeiten von 90°/s und 120°/s postoperativ ein ähnliches Verhalten in beiden Gruppen. Signifikante Unterschiede lassen sich bei 150°/s erkennen. Während in der Galileogruppe die Tendenz zur kontinuierlichen Abnahme der Maxima beibehalten wird, fällt in der Kontrollgruppe der Trendverlauf deutlich ab.
Zusätzlich wurden sonografisch Muskelquerschnitte bei 10cm und 20 cm proximal des palpierbaren Kniegelenkspaltes im Bereich des medialen, ventralen und lateralen Kompartiments vorgenommen. Im Vergleich mit den praeoperativ erzielten Werten reduziert sich die Muskulaturdicke der betroffenen Extremität postoperativ in fast allen Bereichen um weitere 10 % im Vergleich zu der nicht betroffenen Extremität. Auffällig ist die schwach signifikante Reduktion der Muskulaturdicke in der Kontrollgruppe am medialen Meßpunkt 10 cm proximal des Kniegelenkspaltes im Vergleich zur gesunden Seite.
Die Verteilung der sportlichen Aktivität anhand des Tenger-Scores zugunsten der Galileogruppe zeigt sowohl prae- als auch postoperativ eine schwach positive Signifikanz.
In der subjektiven Beurteilung des postoperativen Ergebnisses mittels Lysholm-Score sind die Patienten in der Kontrollgruppe „zufriedener“ als in der Galileogruppe, auch wenn rechnerisch keine Signifikanz besteht.
Am operierten Kniegelenk scheinen Regulationsmechanismen durch Veränderungen der neurophysiologischen und/oder muskelspezifischen Voreinstellungen durch die Galileoanwendung in eine sensiblere Richtung hin verschoben zu werden. In der Kontrollgruppe verringert sich der Muskeldurchmesser im medialen Bereich in 10 cm proximal des Kniegelenkes als auch das Drehmomentmaximum signifikant. Die Kraftentwicklung wird wie in unserem Experiment gesagt unter anderem auch durch Reflexmechanismen hier mittels mechanisch oszillierender Stimulie beeinflußt. Es kommt trotz frühfunktioneller Krankengymnastischer Behandlung zu einer Abschwächung der Drehmomente der Oberschenkelstreckmuskulatur und damit zu einer Verschiebung des Strecker/Beuger Verhältnisses hin zu den Beugern, die als
Agonisten des VKB und auch des Patellasehnenansatzes aufzufassen sind. Diese Veränderung der muskulären Balance soll allzu großen ventralen Vorschub der Tibia verhindern und des Transplantates verhindern. Hierbei können mechanische Stimulie zum Muskelaufbau mittels Oszillation wie bei Galileo 2000 ihren Beitrag leisten.

Schlußfolgerung:
Durch Förderung der Reflexmechanismen durch mechanische Stimuli mittels einer oszillierenden Intervention werden Schutzmechanismen im Rahmen der frühfunktionellen Aktivierung des propiozeptiven Systems auf die Oberschenkelmuskulatur nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes des Kniegelenkes beeinflußt.

Schlagworte: kreuzband kniegelenk
GID: 334; Letzte Änderung: 03.12.2007
Weitere Informationen: Original Article